Unternehmen weitteifern um Schulabgänger in Könnern

Ministerbesuch Schulzentrum kooperiert mit regionaler Wirtschaft

Schülersprecherin Michelle Lutz führt Schulleiter Ronald Konrad, Ministerin Birgitta Wolff
und Landtagsabgeordnete Brigitte Take durchs Schulgelände. (Foto: MZ)
 

KÖNNERN/MZ. Mit einem guten Eindruck verließ Sachsen-Anhalts Kultusministerin Birgitta Wolff (CDU) am Freitag das Schulzentrum Könnern. "Es ist ermutigend zu sehen, dass es genau so geht, wie wir es uns in unseren theoretischen Denkecken vorstellen", lobte die Ministerin die Anstrengungen der Schule, ihre Schüler für den Übergang in das Berufsleben umfassend vorzubereiten. Auf Initiative der CDU-Landtagsabgeordneten Brigitte Take informierte sich die Ministerin über die Zusammenarbeit von Schule und regionaler Wirtschaft.

In einer Diskussionsrunde mit Vertretern von mittelständischen Unternehmen loteten Schule und Wirtschaft die Möglichkeiten einer ständigen Kooperation aus. Auffällig in den Diskussionsbeiträgen der Firmenvertreter war, dass man sich dort bereits des bevorstehenden Fachkräftemangels bewusst ist. So erläuterte beispielsweise René Adametz, Personalchef bei MitGas, wie man durch das Angebot von Projektwochen und Praktika Schüler frühzeitig mit dem Unternehmen vertraut macht und schon hier künftige Lehrlinge an sich binden will.

Die Vertreterin der Könneraner Zuckerfabrik konstatierte einen Rückgang der Bewerberzahlen. "Die Qualität der Bewerber ist schlecht." Das Unternehmen benötige Schüler mit guten Leistungen in den Naturwissenschaften und Mathematik. Da mache es keinen Sinn, Zugeständnisse zu machen. Denn die Anforderungen an die Mitarbeiter würden teilweise schon an Ingenieurswissen heranreichen.

Die Ursachen für schlechte Lernergebnisse sieht die Kultusministerin auf verschiedenen Gebieten. Hier trügen die Eltern, Schulen und Schüler eine gemeinsame Verantwortung. Die Schule könne nicht all das ausgleichen, was zuvor auf anderen Gebieten vernachlässigt worden sei. Aus der demographischen Entwicklung zeichne sich aber ab, dass Schüler bei guten Leistungen auch sehr gute Chancen auf dem regionalen Arbeitsmarkt haben, sagte Wolff.

Diesen Gedanken vertiefte der Chef des Bildungszentrums Energie, Bernd Koller. 20 Jahre lang sei den Leuten gesagt worden, sie würden in der Industrie nicht gebraucht. "Das setzt sich fest." Nun aber werden Fachkräfte gebraucht. Dies müsse erst in die Köpfe der Menschen hineingetragen werden, dann könne sich dieses Wissen zum Motivationsschub für die Schüler entwickeln.

Die Berufsorientierung der Schüler sei eine wichtige Aufgabe der Schulen, so die Ministerin. Sie kündigte mehr dezentrale Entscheidungsfreiheiten für die Schulen an. Aufgabe des Landes sei es, die nötigen Infrastrukturen zu schaffen, man wolle sich künftig mit neuen Programmen aber zurückhalten, die in die Arbeit der Schulen "reinfunken", sagte Wolff.

 
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung 06.11.2010
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