Offene Türen erlauben den Blick hinter die Kulissen

Kristin Grunski (r.) aus der 5. Klasse stellt Besuchern Ergebnisse des Kunst-Projekttages
«Eine Entdeckungsreise in das Land der Pharaonen» vor. (FOTO: MZ)

KÖNNERN/MZ. Großes Interesse zeigten Schüler und deren Eltern beim Tag der offenen Tür
der Sekundarschule Könnern. An zahlreichen Stationen und Plätzen wurden schulische und
außerschulische Aktivitäten vorgestellt, konnten Klassenzimmer besichtigt werden, zeigten
die verschiedenen Arbeitsgemeinschaften die Ergebnisse ihrer Arbeit. So erhielt beispielsweise
die Arbeitsgemeinschaft Theater / Chor viel Beifall für ihr Programm, das die Schüler in der Mensa aufführten.

Schon traditionell begleiten Firmen aus der Region den Tag der offenen Tür in Könnern.
Schüler und Eltern konnten sich beispielsweise an den Ständen von Bauerngut, Köthen-Energie
oder Mitgas über künftige Arbeitsplätze und die Lehrausbildung informieren.

"Wir legen großen Wert auf eine enge Beziehung zu den in der Region ansässigen Unternehmen",
erklärte Schulleiter Ronald Konrad. Es gebe Kooperationsverträge und Kontakte, zudem laufen
Gespräche zur Unterstützung durch die Unternehmen bei der Berufsvorbereitung der Könneraner Schüler.
Aber auch die Lehrer profitieren vom engen Kontakt zur Wirtschaft: Am 21. Juni beispielsweise
gebe es eine Lehrerweiterbildung bei Köthen Energie um im Naturwissenschaftsbereich den Anforderungen
der Zeit gerecht zu werden, sagte Konrad. "Wir wollen diese Kontakte haben, damit die Lehrer das nötigen
Know-how haben und damit die Schüler wissen, was sie in der Berufsausbildung konkret erwartet."

Der Könneraner Schulleiter wird sich ab dem kommenden Schuljahr intensiver um das Schulzentrum in Könnern
kümmern können. Er sei bisher vom Landesverwaltungsamt kommissarisch mit der Leitung der Schule
in Könnern beauftragt worden, da seine bisherige Schule in Magdeburg aufgrund einer Entscheidung des
dortigen Schulträgers mit Ablauf des jetzigen Schuljahres geschlossen werde.

Das Schulzentrum Könnern habe eine gesunde Größe, meinte Konrad. "Wir werden im kommenden
Schuljahr 415 Schüler haben." Bei dieser Größenordnung sei es noch möglich, jeden Schüler mit Namen zu kennen.
Keiner könne da in der Anonymität unter gehen.

Einen Besuch zum Tag der offenen Tür stattete dem Könneraner Schulzentrum auch Andreas Riethmüller,
Abteilungsleiter für Schule und Kultur im Landesverwaltungsamt Halle, ab. Riethmüller lobte die Anstrengungen
der Stadt als Träger der Bildungseinrichtung. "Ein solches Schulzentrum wie in Könnern mit den dort
erwachsenen Standards zu erhalten, ist aber nicht nur Lust, sondern auch Last - gerade im Hinblick auf
die Kommunalfinanzen", meinte Riethmüller anerkennend. Im Land sei es derzeit noch eine Ausnahme,
dass Sekundarschulen in kommunale Trägerschaft übernommen werden.

Er persönlich halte aber von Bestrebungen, auch die Personalverantwortung an die Schulträger zu übertragen -
wie es das Modell Kommunale Schule vorsieht - wenig. "Will man Kommunale Schulen wirklich umsetzen,
dann sind vergleichbare Lebensbedingungen und -verhältnisse im Land nicht mehr durchsetzbar."
In einigen Jahren stehe das Land vor einem Lehrermangel. Große Probleme gebe es dann, junge Lehrer
in ländlichen Regionen einzusetzen. Die Qualität der Schule werden von den Lehrern bestimmt.
Eine fundierte akademische Ausbildung in der Fläche im Land zu sichern, sei nur mit einer zentralisierten
Schulbehörde möglich. Und da Mittel für die Schule in erster Linie Landesmittel seien, sollte das Land auch
die Kontrolle ausüben. "Deutschland steht vor Veränderungen. Partikulare Strukturen sind mit Blick auf den
europäischen Wettbewerb nicht mehr zeitgemäß."

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung 15.06.2010
            www.mz-web.de